FIFO Krypto erklärt: So berechnet das Finanzamt deine Gewinne
FIFO (First In, First Out) ist die Grundlage der Krypto-Steuerberechnung in Deutschland — und genau hier entstehen die meisten Fehler.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Steuerberatung oder rechtliche Beratung dar. Alle Angaben ohne Gewähr. Bei individuellen Fragen wende dich an einen Steuerberater.
Wenn du Kryptowährungen mehrfach kaufst und später verkaufst, stellt sich eine zentrale Frage: Welche Coins verkaufst du eigentlich? Genau hier kommt FIFO ins Spiel — und genau hier entstehen die meisten Fehler bei der Krypto-Steuer.
1) Was FIFO bedeutet
FIFO steht für First In, First Out. Das bedeutet: Die Coins, die du zuerst gekauft hast, gelten auch als zuerst verkauft.
Das klingt simpel — hat aber weitreichende Konsequenzen für deine Gewinnberechnung und deine Haltefrist.
2) Warum FIFO in Deutschland relevant ist
In Deutschland wird FIFO in der Praxis als Standard für die Zuordnung von Krypto-Transaktionen verwendet. Das BMF hat sich für FIFO ausgesprochen.
FIFO ist entscheidend, weil davon abhängt:
- welche Haltefrist für einen Verkauf gilt,
- welcher Gewinn entsteht,
- und damit welche Steuer anfällt.
Hintergrund: Krypto Steuer Deutschland 2026: Der komplette Guide
3) Einfaches Beispiel
| Zeitpunkt | Vorgang | Betrag |
|---|---|---|
| Januar | Kauf 1 BTC | 10.000 € |
| März | Kauf 1 BTC | 20.000 € |
| Juni | Verkauf 1 BTC | 30.000 € |
Frage: Welcher BTC wird verkauft?
Antwort (FIFO): Der BTC aus Januar (10.000 €).
Ergebnis:
- Verkaufserlös: 30.000 €
- Anschaffungskosten: 10.000 €
- Gewinn: 20.000 €
Nicht der zweite Kauf (20.000 €) wird herangezogen — unter FIFO ist es immer der älteste.
4) Komplexeres Beispiel (realistisch)
| Zeitpunkt | Vorgang | Betrag |
|---|---|---|
| Januar | Kauf 1 BTC | 10.000 € |
| März | Kauf 1 BTC | 20.000 € |
| Mai | Kauf 1 BTC | 25.000 € |
| August | Verkauf 2 BTC | je 30.000 € |
Unter FIFO werden die beiden ältesten BTC verkauft:
| Coin | Kaufpreis | Verkaufspreis | Gewinn |
|---|---|---|---|
| BTC 1 (Januar) | 10.000 € | 30.000 € | 20.000 € |
| BTC 2 (März) | 20.000 € | 30.000 € | 10.000 € |
Gesamtgewinn: 30.000 €
Der Kauf im Mai wird nicht verwendet — er bleibt als offenes Lot bestehen.
5) Warum FIFO für die Haltefrist entscheidend ist
FIFO bestimmt nicht nur den Gewinn, sondern auch, ob ein Verkauf steuerfrei sein kann.
| Zeitpunkt | Vorgang |
|---|---|
| Januar 2023 | Kauf BTC |
| März 2024 | Kauf BTC |
| April 2024 | Verkauf BTC |
Unter FIFO wird der BTC aus Januar 2023 verkauft. Die Haltefrist beträgt damit mehr als ein Jahr — der Gewinn kann steuerfrei sein. Ohne FIFO könnte man fälschlicherweise den März-Kauf heranziehen und falsch rechnen.
Vertiefung: Haltefrist Krypto: 1 Jahr Regel richtig erklärt
6) Häufige Fehler
Fehler 1: Durchschnittspreis verwenden
Viele denken: „Ich nehme einfach den Durchschnitt.“ Das ist in Deutschland nicht die empfohlene Methode. Das BMF hat sich für FIFO ausgesprochen.
Fehler 2: Falsche Reihenfolge
Wenn Transaktionen unsortiert sind oder Zeitstempel fehlen, funktioniert FIFO nicht mehr korrekt. Die Reihenfolge der Käufe ist die Grundlage der gesamten Berechnung.
Fehler 3: Transfers nicht erkannt
Bewegungen zwischen Exchange und Wallet können wie Verkäufe aussehen. Wenn sie nicht korrekt als Transfers erkannt werden, entstehen falsche FIFO-Zuordnungen.
Fehler 4: Fehlende Käufe
Wenn frühere Käufe fehlen, wird ein späterer Verkauf unter FIFO falsch berechnet. Die Kostenbasis stimmt nicht, und es können Phantom-Gewinne entstehen.
Fehler 5: Mehrere Börsen getrennt betrachten
Binance, Coinbase, Bitpanda — steuerlich gehört in der Regel alles zusammen. FIFO wird typischerweise über alle Plattformen hinweg angewendet, nicht je Börse separat.
Mehr dazu: Warum deine Krypto Steuer falsch sein könnte
7) Warum FIFO ohne saubere Daten nicht funktioniert
Das ist der wichtigste Punkt. FIFO funktioniert nur, wenn:
- alle Käufe vorhanden sind,
- alle Verkäufe vorhanden sind,
- Transfers korrekt erkannt sind,
- Zeitstempel stimmen.
Wenn das nicht der Fall ist, entstehen automatisch Fehler. Und genau hier liegt das Problem vieler Tools: Fehlende Daten werden geschätzt, Transfers werden geraten, Preise werden approximiert. Das Ergebnis sieht dann zwar korrekt aus — ist aber nicht nachvollziehbar.
Lieber eine sichtbare Unsicherheit als ein scheinbar korrektes Ergebnis, das auf versteckten Annahmen basiert.
8) Fazit
FIFO ist kein Detail — es ist die Grundlage deiner gesamten Krypto-Steuer in Deutschland. Ohne korrekte FIFO-Berechnung kann es typischerweise geben:
- keine korrekte Haltefrist,
- keine korrekten Gewinne,
- keine korrekte Steuer.
FIFO ist keine Formel. Es ist eine Rekonstruktion deiner gesamten Historie — Lot für Lot, Transaktion für Transaktion.
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